atmen

es war das jahr, in dem sie ziemlich viel verlor.
einen ort. freunde.

vieles musste neu geformt werden. im ton in ihren händen waren splitter,
im gebrannten ton brüche. es galt, vorsichtig zu sein.

am morgen stand sie auf. am abend ging sie schlafen.
sie schlief mal gut, mal blieb sie wach.
mal träumte sie alles klar, mal träumte sie wirr.

einmal tanzten zwei menschen und verschmolzen zu ying und yang.
schwarz und weiß gekleidet, einer bog sich nach rechts, einer nach links.
sie tanzten pogo zu the cure. eine schwarzweiße symbiose.
es gab nichts mehr hinzuzufügen.

jemand drohte ihr im traum, jemand lachte sie aus.
es waren harte zeiten.

gisbert sang ihr aus der seele. und kettcar.
sie saß im auto und im zug.
sie aß veganes porridge mit obst und zimt.
sie trank zu viel kaffee. dann wieder tee oder etwas mit ingwer.
sie hatte viele fragen. sie suchte ratgeber auf youtube.
sie hörte dämpfende meditationsmusik, die sie einlullte.
sie zündete räucherkerzen an, deren rauch sie mit den
händen aus dem fenster vertrieb.
sie roch verzweifelt nach patchouli und weißem salbei.
sie brachte alle zum gähnen.
der litanei-leierkasten ächzte.

sie ließ vieles los.

sie suchte die funken am horizont.
ihr blick kurzsichtig und verkniffen.
ihre gedanken verfärbt und verwaschen.
sie hoffte, dass ihre worte davon unberührt bleiben würden.

sie wünschte sich ekstase.

sie atmete.

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