der tag

der tag beginnt mit dem türken im zweiten stock gegenüber, der die fensterbretter putzt. jeden tag.

der einen teppichläufer ausschüttelt. jeden tag.

wir haben uns mal zugewunken. einmal. seitdem bin ich mir nicht mehr sicher, ob man das einfach so macht.
sich zuwinken.

beim griechischen gemüsehändler steht der trinker schon um neun bei den obstkisten und trinkt sein erstes bier und raucht.

der besitzer eines modeladens lässt sich vom gemüsehändler für instagram und facebook fotografieren. mal mitten auf der straße, mal lässig bei der gemüseauslage unter der rot-weißen markise, mal neckisch einen apfel in der hand, mal locker auf seinem teuren klapprad sitzend. aber immer perfekt gekleidet: mantel, hemd, weste, hut, hose, schuhe handgearbeitet, umgehängte schultertasche. es ist schön zu sehen, wie er sich inszeniert. ich muss immer an paris denken. schon dafür lohnt sich alles.

nach dem lüften der wohnung der weg ins arbeitszimmer. einen kaffee in der hand, den blick vom balkon auf die lange straße mit den alten häuserfronten, ein urbanes viertel, viele menschen, viel leben.

der blick auf die kreuzung wie aus einem wimmelbuch. autos kreuzen radfahrer kreuzen fußgänger kreuzen busse kreuzen kinderwagen kreuzen roller. nie ist etwas ernsthaftes passiert.

der raum so klein, so groß. das leben so voll, so leer.

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